Raus aus dem Mangel!
- Tanja Dehner

- 18. Juli
- 3 Min. Lesezeit
Aktualisiert: vor 6 Tagen
Mangeldenken versus Perspektivwechsel - eine persönliche Beobachtung.

Neulich habe ich es zum ersten Mal ausgesprochen. Innerhalb eines Teams. Was ich wahrnehme. Was mir bewusst wird. Was ich fühle. Es hat gedauert, bis es zu mir durchgedrungen ist. Bis es für mich greifbar war. Ich schaute in erstaunte Augenpaare, als ich sagte: „Wenn wir uns ständig mit dem Mangel beschäftigen, werden wir nie in die Fülle kommen!“
Dem vorangegangen sind viele, teils individuelle Gespräche und ein Termin in großer Runde. Die Energie im Raum, nicht wirklich gut. Ich war Teil der Besprechung, allerdings nicht des Dialoges. Anstatt mich aktiv an den Diskussionen zu beteiligen, habe ich mich in die Beobachterrolle begeben und einfach zugehört.
Dabei ist mir bewusst geworden, wie viel Anstrengung es Führungskräfte kostet, ein Team zu führen, welches den Fokus verstärkt auf das richtet, was fehlt. Was nicht gelingt oder auf was es keinen Einfluss hat: „Ich erreiche den Kunden heute eh nicht mehr. Die Idee bekommen wir sowieso nicht umgesetzt, weil die Geschäftsführung es ablehnen wird. Der Mitbewerber wird beim Einreichen des Projektes wieder schneller sein. Wir werden unsere Anforderungen in der Nachbarabteilung nicht durchgesetzt bekommen, weil es beim letzten Mal auch nicht funktioniert hat. Der Kollege ist sicher wieder nicht erreichbar, wenn man ihn braucht. Wäre doch bloß die Kollegin noch hier, dann könnte sie sich darum kümmern!“.
Führungskräfte können noch so motiviert, noch so sehr Vorbild sein: Wenn die einzelnen Teammitglieder nicht bereit sind, ihren Fokus auf das Gelingende zu richten, bleibt das Halten des Energierahmens - für das Team und besonders für sich selbst - eine Herausforderung.
Je intensiver ich mich mit dem Mangeldenken beschäftige, umso deutlicher wird mir, wie häufig sich Menschen ihre Mangelbrille aufsetzen und wie viel Leichtigkeit im Alltag dadurch verloren geht.
Diese Beobachtung zu teilen und dadurch den Raum für Perspektivwechsel zu öffnen, halte ich für wichtig. Denn, Mangelbrillen begegnen uns nicht nur im Berufsleben. Sie zeigen sich auch im privaten und persönlichen Kontext.

Um es für Euch greifbarer zu machen, teile ich meine Erlebnisse des abendlichen Parkens aus den letzten zwei Wochen in Stuttgart. Wir hatten eine Baustelle direkt vor unserem Haus. Die Zufahrt zur Tiefgarage war versperrt. Parkmöglichkeiten in unserem Viertel sind grundsätzlich sehr begrenzt. Anstatt dem (Park-)Mangel Raum zu geben und mich über die Baustelle aufzuregen, habe ich diese Situation als Challenge, als Intentionsübung für mich genutzt. Ich wollte testen, ob es funktioniert.
Was habe ich gemacht? Ich habe jeden Abend auf der Fahrt nach Hause die bewusste Intention gestellt, dass ich für meinen Mini einen passenden und wohnungsnahen Parkplatz bekomme. Ich habe es mir nicht nur eingeredet, ich war mir sicher. Was soll ich sagen: Egal zu welcher Uhrzeit ich nach Hause fuhr, diese eine Lücke hat an unterschiedlichen Stellen wohnungsnah auf mich gewartet. Über zwei Wochen hinweg, jeden Abend. Und ich fühlte mich jedes Mal freudig beflügelt.
Meine Erkenntnis aus diesem Übungsfeld: Wenn eine Intentionsstellung beim Parken klappt, ist sie sicherlich auch auf andere berufliche wie private Situationen übertragbar. Es liegt an uns, wohin wir unsere Gedanken bewusst lenken. Besonders dann, wenn unser Mangelgefühl in normaler Gewohnheit mal wieder reflexartig vorprescht.
Wir können andere nicht ändern. Wir können sie jedoch sensibilisieren, durch Teilen unserer Sichtweisen. Deshalb ermutige ich hiermit jede/n, mit guten Intentionen bewusst durch den Tag und besonders in herausfordernde Situationen zu gehen. Die Energie mehr in Lösungen, als in Zweifel zu stecken. Führungskräfte motiviere ich dazu, sich ihrem Team zu öffnen und auszusprechen, was sie selbst brauchen, um ihr Team gut führen zu können. Für die Stabilisierung der eigenen Persönlichkeit gilt: Mit jeder Fokusverschiebung weg vom Mangel hin zur Möglichkeit und zum positiven Erleben, entlasten wir unser Nervensystem und fördern unsere Gesundheit.

Welche gute Intention stellst Du heute? Es beginnt alles bei uns selbst!

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